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Ciclo de cine latinoamericano en Zúrich
Reir en Cuba — Gutiérrez Alea y amigos
Cine Latino — Cine joven de Latinoamérica


01.09.11 – 05.10.11 – Xenix, ZURICH
— Kino Xenix, Am Helvetiaplatz, 8004 Zürich —


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Ort: Kino Xenix, Am Helvetiaplatz, 8004 Zürich


Einführungstexte
Reir en Cuba – Gutiérrez Alea y amigos
Tomas Gutiérrez Alea (1928–1996) ist der bedeutendste kubanische Filmemacher. Er studierte Anfang der Fünfzigerjahre am Centro Esperimentale di Cinematografía in Rom unter anderem beim Neorealisten Cesare Zavattini. Zurück auf Kuba, kämpfte er gegen den Diktator Fulgencio Batista, realisierte mehrere Dokumentarfilme und war drei Monate nach der Revolution Mitbegründer des kubanischen Filminstituts (ICAIC). Mehrere seiner Werke wie etwa Memorias del subdesarollo (1968) oder La última cena (1976) sind Klassiker der internationalen Filmgeschichte. Gutiérrez Alea hat sich immer wieder mit Zuschauerresonanz auseinandergesetzt und die theoretische Schrift «Die Dialektik des Zuschauers» darüber verfasst. Der marxistischen Kunsttheorie folgend, war er überzeugt, dass Lachen im Kino ein Weg zur (Selbst-)Erkenntnis ist. Mit seiner Burleske Las Doce sillas (1962) und der Satire La muerte de un burócrata (1966) gilt er auch als Wegbereiter der kubanischen Komödie. Sein feinsinniger Humor und satirischer Blick, mit denen er die Menschen im revolutionären Aufbruch und in der kubanischen Sinnkrise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion betrachtete, spiegelt sich auch in den Werken jüngerer kubanischer Regisseure wie Juan Carlos Tabío und Daniel Díaz Torres. Wir freuen uns sehr, in der mit verschiedenen Komödien ergänzten Gutiérrez-Alea-Retrospektive auch die beiden aktuellen Werke El cuerno de la abundancia (2008) von Tabío und Lisanka (2010) von Torres als Premieren präsentieren zu können.

Cine Latino – Cine joven de Latinoamérica
Die rauschende Meeresküste von Peru, ein staubiges Kaff in Mexiko, der chilenische Nationalpark Siete Tazas oder eine Zugfahrt von Honduras über Guatamala bis ins mexikanische Grenzland zu den USA: Die vierzehn Cine-Latino-Filme (davon acht Schweizer Premieren) führen uns in Landschaften und in die Metropolen des südamerikanischen Kontinents. Sie erzählen Geschichten von stoischen Dienstmädchen, überforderten Bauern, mit sich hadernden AusteigerInnen und blindwütigen Sicarios. Anstelle des Fokus auf ein einzelnes Land wie in den letzten Jahren (Mexiko, Argentinien, Brasilien und Kolumbien) präsentieren wir diesen September einige der besten Werke der letzten beiden Produktionsjahre sowie eine Reihe von Filmen, die zur Zeit von Festival zu Festival reisen, in der Schweiz aber noch nicht zu sehen waren.

Die Bandbreite an Handschriften und Erzählformen ist gross. Doch bei aller Verschiedenheit fällt auf, wie gut es den jungen Filmemachern gelingt, die Ernsthaftigkeit individueller Konflikte und Sinnkrisen mit der Komik des Lebens oder der grossen Geschichte zu verknüpfen. Seit zwanzig Jahren arbeitet das Dienstmädchen Raquel im Publikumsliebling La Nana für dieselbe Familie und haust im Dachzimmer der Villa. Ihre Isoliertheit – sie ist zwar irgendwie ein Teil der Familie, gehört aber doch nie ganz dazu – hat zu verschrobenen Eigenschaften geführt. Mit Vehemenz verteidigt sie ihr Reich gegen pubertierende Töchter und anderes Dienstpersonal, was der chilenische Regisseur Sebastián Silva in herrlich komischen Alltagssituationen vor Augen führt. Mit böser Ironie beobachtet Luis Estrada in seinem mexikanischen Kassenhit El infierno den Aufstieg des Drogengangsters Benny García, der seine anfänglichen moralischen Grundsätze für ein paar schicke Kleider und grosse Wagen schnell über Bord wirft. Erbarmungswürdig ist dagegen der Bauer Salvador in der Satire Todos tus muertos, für den die Welt aus den Fugen gerät, als er in seinem Getreidefeld einen Leichenberg findet. Der kolumbianische Filmemacher Diego Ramirez, von dem wir im letzten Jahr Perro come perro gezeigt haben, spielt dabei auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände in seinem Land an. In El secreto de sus ojos brilliert der Komödiant Guillermo Francella zusammen mit Ricardo Darín in aberwitzigen Büroszenen einer Anwaltskanzlei in Buenos Aires, und in Post Mortem kreiert der Chilene Pablo Larraín aus der Sicht seiner Hauptfigur eine abgrundtief wunderliche Welt, die an die Universen von Roy Andersson erinnert. Die beiden letztgenannten Werke reflektieren die dunklen Kapitel der Militärdiktaturen in Argentinien und Chile. Versucht die Hauptfigur Benjamin Espósito in El secreto de sus ojos nachträglich über seine Erinnerung die schrecklichen Zeiten zu rekonstruieren, spielt Post Mortem unmittelbar in den Tagen nach der Machtergreifung durch General Augusto Pinochet. Die mit den Diktaturen verbundenen Verfolgungen, Folterungen und heimlichen Morden sind im südamerikanischen Kino nach wie vor stark präsent und widerspiegeln die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Verarbeitung. Ein wichtiges eindrückliches Dokument über die Suche nach der Vergangenheit und nach den Überresten der Liebsten stammt mit Nostalgia de la luz vom chilenischen Filmemacher Patricio Guzmán.

Obwohl in Europa an der multikulturellen Peripherie von London spielend nutzen wir unseren Blick auf das aktuelle Cine Latino, endlich Unmade Beds des argentinischen Filmemachers Alexis Dos Santos als Schweizer Premiere zu präsentieren. Vor einigen Jahren haben wir seinen lichtvollen Erstling Glue, eine in Patagonien spielende Coming-of-Age Geschichte über Rausch, Liebe, Lust und Selbstfindung gezeigt.

Programm —  Filme:


La vida es silbar
Fernando Pérez, Kuba/Spanien 1998; 106' SP/df

Märchenfee und Traumfigur Bébé möchte einzig, dass die drei Menschen, aus deren Leben sie erzählt, glücklich sind. Die Ballerina Mariana gerät in ein Dilemma, nachdem sie in einer Kirche das fragliche Gelübde ablegt, dass sie den Männern entsagen würde, wenn sie die Rolle als Giselle tanzen könnte. Die aufopferungswillige Julia lässt schon das Aussprechen eines bestimmten Wortes in Ohnmacht fallen. Sie arbeitet in einem Altersheim und muss sich mit einer verdrängten Wahrheit versöhnen. Und der ebenfalls mit seiner Vergangenheit hadernde Musiker Elpido, verliebt sich in eine amerikanische Meeresbiologin und Umweltaktivistin, die nur für eine bestimmte Zeit in Havanna stationiert ist.
«Das Leben ist das, was passiert, wenn man mit etwas ganz anderem beschäftigt ist», zitiert ein Taxifahrer in La vida es silbar John Lennon. Der kubanische Regisseur Fernando Pérez, einstiger Regieassistent von Tomás Gutiérrez Alea, tippt wunderbar leichthändig die kuriosen Leben seiner drei Hauptfiguren und weiterer Havanna-ZeitgenossInnen an und zeigt auf, wie das Glück manchmal tatsächlich greifbar ist, auch wenn es uns Akzeptieren und Entscheiden abverlangt. Über den humorvollen Blick Aleas hinausgehend, liess sich der Schriftsteller und Filmkritiker Pérez vom Surrealismus des belgischen Malers René Magritte inspirieren.
Do 1. 9. – Mi 7. 9. > 17.00 Uhr



Guantanamera
Tomás Gutiérrez Alea / Juan Carlos Tabío, Kuba 1995; 105' SP/df

Nach fünfzig Jahren kommt Yoyita in ihre Heimatstadt zurück. Hier soll die «Guantanamera» (wie alle Mädchen aus Guantánamo genannt werden) für die Verdienste als kubanische Sängerin gewürdigt werden. Als Candido, ein alter Verehrer, ihr seine ungebrochene Liebe schwört, schläft sie in seinen Armen für immer ein. Candido und Gina, Yoyitas unglücklich verheiratete Nichte und ehemalige Wirtschaftsprofessorin, sowie deren Ehemann Adolfo, ein Funktionär des kubanischen Bestattungswesens, begleiten die Tote auf ihrer letzten Reise zurück nach Havanna. Für Konfusionen sorgt dabei Adolfos «glorioser» Masterplan, wonach der Sarg in jeder Provinz in einen neuen Transporter umgeladen werden muss. Und während der staatliche Fahrer ständig irgendwelche Schwarzmarktgeschäfte mischelt, trifft Gina ihren ehemaligen Studenten Mariano wieder, der sich als Lastwagenfahrer durchs Leben schlägt …
In seinem tragikomischen Roadmovie zeigt Alea nicht nur die bürokratischen Absurditäten in Zeiten der knappen Lebensmittel und der kubanischen Sinnkrise nach dem Zusammenbruch der UdSSR. Leichthändig führt er auch die eigenartigen Wirkungsmächte flüchtiger Begegnungen, verpasster und genutzter Chancen vor Augen. Lachen ist der beste Weg, das Leben zu verstehen, sagte der bereits von seiner Krebskrankheit gezeichnete Alea. Seinen letzten Film realisierte er in enger Zusammenarbeit mit dem langjährigen Freund Juan Carlos Tabío, der bereits am Drehbuch von Hasta cierto punto (1985) mit geschrieben hatte und als Coregisseur von Fresa y chocolate verantwortlich zeichnet.
Do 1. 9. – So 4. 9. > 19.15 Uhr



Las doce sillas
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1962; 94' SP/e

Ach, wohin nur mit dem Schmuck? Verzweifelt sucht eine alte Dame in der animierten Anfangssequenz von Las doce sillas ein Versteck für ihre Diamanten. Auf dem Totenbett wird die ehemalige Aristokratin das gefundene Versteck gerade noch dem Priester und ihrem Neffen Hipólito Garrigó ins Ohr flüstern können, bevor sie das Zeitliche segnet. In der neuen Ordnung dient die ehemalige Familienvilla in Havanna als munteres Altersheim. Vieles steht noch an seinem alten Platz, und auch der Gärtner Oscar ist noch derselbe. Er bietet Hipólito schnell seine Hilfe an. Doch der letzte der zwölf Stühle wird ihnen gerade vor der Nase weggestohlen. So macht sich das ungleiche Paar in sozialistischen Zeiten in alle Himmelsrichtungen, in welche die Stühle fortlaufend verschwinden, auf die Suche nach dem Schmuck, der sie ohne arbeiten reich machen soll …
Alea hätte den Roman von Ilya Ilf und Eugène Petrov gerne schon vor der Revolution verfilmt. Doch «damals war es sehr schwer, auf dem freien Markt einen Produzenten zu finden … Die andere Schwierigkeit lag darin, dass uns das Wichtigste fehlte: wie würden wir ein Bild der ‹neuen Gesellschaft› nach dem Sieg der sozialistischen Revolution in unserem Land anbieten, obwohl sich unser Land im Kapitalismus befand. Zum Glück hatten wir einige Jahre später auch unsere Revolution, mit allem, was danach kam: Ministerium für Enteignung, Abrechnungen, Agrarreform, Städtereform, riesige Kundgebungen, Volksmilizen, Aufbau des Sozialismus …» (Tomás Gutiérrez Alea). Dass Aleas Komödie als solche heute noch funktioniert, liegt neben der witzigen Situationskomik sicher an seinen schelmischen Figuren mit zutiefst menschlichen Fehlern, sowie am Schauspiel der beiden Hauptdarsteller.
Mo 5. 9. – Mi 7. 9. > 19.15 Uhr



Alicia en el pueblo de Maravillas
Daniel Díaz Torres, Kuba 1991; 90' SP/d

Alicia will in der Kleinstadt Maravillas als neue Theaterleiterin das Kulturhaus mit eigenen Ideen revitalisieren – ihren Schreibtischjob als Kulturbeauftragte sowie ihren Geliebten in der Hauptstadt hinter sich lassend. Doch schon auf dem Weg ins entlegene Hinterland purzeln die Realitäten durcheinander, und es bleibt ihr in einer skurrilen Situation nichts anderes übrig, als sich auf unfreundlichste Art von jemandem zu verabschieden. Im Hotelzimmer des einzigen, lottrigen Hotels wird sie nicht nur von Kakerlaken begrüsst. Als sie den Toiletten-Spiegelschrank öffnet, stellt sich ihr auch der Abgeordnete Oscar Rodríguez im Nachbarzimmer vor – Rasierschaum im Gesicht. Überall in der Stadt finden sich unsinnige Baustellen, das Kulturhaus ist als Sanatorium umfunktioniert, und vom Trinken des schwefligen Wassers wird ihr abgeraten …
Daniel Díaz Torres bezeichnet den Humor «als essenzielle Qualität der Intelligenz, er hilft dem Menschen, sich über den bedrückenden Alltag zu stellen und befreit ihn von Pathos und Ausweglosigkeit». Seine surrealistische Satire auf die Verwirrungen und Fehlentwicklungen der Revolution wurde in Kuba zwei Tage nach der Kinopremiere verboten, um ein paar Jahre später als revolutionäres Werk gepriesen zu werden. Frei nach Motiven von Lewis Carrols «Alice im Wunderland» seziert er die Zustände Kubas Anfang der Neunzigerjahre «mit visueller Fabulierlust […], weil sich satirische Märchen nicht um Kausalitäten kümmern, sondern unterhaltend daran erinnern wollen, dass die Verhältnisse oft nicht so sind, wie sie sein sollten» (Helmut Pflügl).
Do 8. 9. – So 11. 9. > 17.30 Uhr



Memorias del subdesarrollo
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1968; 97' SP/df

Wir befinden uns im Jahr 1961 kurz nach der vereitelten Invasion in der Schweinebucht: «Alle sind gegangen, ich bleibe», sagt sich Sergio – weniger aus Überzeugung, denn aus Bequemlichkeit und aus einer gewissen Neugierde heraus, wie sich das nachrevolutionäre Kuba wohl entwickeln werde. Seine reichen Freunde und seine Exfrau Laura suchen dagegen in Miami ein neues Glück. Der bourgeoise Müssiggänger wohnt weiterhin in einer Luxuswohnung, schreibt an seinen Memoiren, erinnert sich alter Zeiten und versucht, die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse zu verstehen. Er freut sich an Noemi, seiner Putzfrau, und lernt Elena kennen, die gerne Schauspielerin wäre …
Die Literaturverfilmung Memorias del subdesarrollo (Erinnerungen an die Unterentwicklung) nach einem Roman des kubanischen Schriftstellers Edmond Desnoes ist nicht direkt eine Komödie. Und dennoch scheint Aleas Humor in seinem satirischen Blick auf den Anti-Helden immer wieder durch: Etwa wenn er sich über die subjektiven Betrachtungen seiner Hauptfigur lustig zu machen scheint, oder ihn als Kindskopf zeigt, der die Strümpfe seiner ehemaligen Freundin über den Kopf stülpt. Die Bezeichnung «Unterentwicklung» verweist für Alea auf die Aufbruchsituation Kubas kurz nach der Revolution: Auf ein Land, das die Industrialisierung noch vor sich hatte und dessen BewohnerInnen die Risiken und Schwierigkeiten der neuen Freiheit erst noch auf sich nehmen mussten. Nouvelle-vague-verspielt und als Collage montiert ist es vielleicht Titóns bestes und vielschichtigstes Werk. Ein must-see auf jeden Fall, das sich aus heutiger Sicht nochmals neu lesen lässt.
Do 8. 9. – So 11. 9. > 19.15 Uhr



Lista Espera
Juan Carlos Tabío, Spanien/Kuba/Frankreich/Mexiko/Deutschland 2000; 105' SP/df

Emilio will nach Santiago de Cuba. Als er an der Busstation irgendwo in Kuba am rauschenden Atlantik eintrifft, warten schon viele andere darauf, von dort wegzukommen. Die schöne Jacqueline etwa will nach Havanna, wo ihr spanischer Verlobter Antonio bereits die Auswanderung vorbereitet, und auch der angeblich blinde Rolando, dessen Hummer im Gepäck bald verkostet werden sollte, muss dringend in die kubanische Hauptstadt. Doch da ist weit und breit kein Bus in Sicht. Und fährt einmal einer vorbei, verweigert der Chauffeur die Aufnahme weiterer Reisender. Auf Emilios Vorschlag hin besetzen die Wartenden den Busbahnhof, den der leicht überforderte Stationsvorsteher für die Nacht schliessen will. Und so macht sich die zusammengewürfelte Truppe auch an die Reparatur eines klapprigen kaputten Autobusses und an die Renovation des Bahnhofs, was zu neuen Freundschaften führt.
Frei nach dem gleichnamigen Roman von Arturo Arango zeigt Juan Carlos Tabío die kleinen grossen Wünsche und Sehnsüchte der Wartenden, durchschaut ihre Lebenslügen und schwärmt von Solidarität, die Berge versetzen kann, ohne die gegenwärtigen Realitäten Kubas aus den Augen zu verlieren. Gewidmet hat er seine romantische Tragikomödie dem Andenken an seinen langjährigen Freund Titón – Gutiérrez Alea.
Mo 12. 9. – Mi 14. 9. > 17.00 Uhr



Las aventuras de Juan Quin Quin
Julio García Espinosa, Kuba 1967; 112' SP/d

Bereits der Anfang von Las aventuras de Juan Quin Quin parodiert einen Western und hebt die Titelfigur Juan medaillongerahmt als revolutionären Helden hervor. In Rückblenden werden in der Folge seine Abenteuer erzählt, die ihn zum Mann für die Revolution gemacht haben. Alles beginnt in einer Kirche: Der Dorfpfarrer liest dem sich als Messmer verdingten Juan wegen irgendwelcher Frauengeschichten gerade die Leviten. Doch schon mit dem nächsten Schnitt sitzt er zusammen mit seinem Freund Jachero auf einer Hahnenkampf-Arena, wo sie für einen Übertölpelten Partei ergreifen. Auf ihrer weiteren Odyssee wecken die beiden mit einem wilden Löwen das halbe Dorf, verdienen sich ein paar Pesos mit einer Stierkampf-Show und lernen natürlich zwei Liebste kennen, bis ihnen die harte Arbeit auf einer Plantage die Ungerechtigkeiten in der Zeit kurz vor der Revolution vor Augen führt und sie sich am gerechten Kampf beteiligen.
Wie etwa Alea für Doce sillas bezieht sich auch Julio García Espinosa (die beiden haben zusammen am Centro Esperimentale in Rom Film studiert haben) auf den spanischen Schelmenroman, auf den auch der Titel Las aventuras de Juan Quin Quin anspielt. Neben der Zeichnung der beiden munter durchs Leben stolpernden Hauptfiguren spielt Espinosa in seiner burlesken Komödie mit filmischen Möglichkeiten, blendet Sprechblasen und ironisierende Zwischentitel ein oder färbt die einzelnen Abenteuer verschiedenste Genres parodierend unterschiedlich ein.
Mo 12. 9. – 14. 9. > 19.00 Uhr



La última cena
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1976; 120' Sp/d

In Kuba um 1800: Ein religiös gesinnter Graf und Besitzer einer Zuckerrohrplantage lädt am Gründonnerstag zwölf seiner von den Aufsehern arg geschundene Sklaven an ein symbolisches Abendmahl. In der Rolle des christusgleichen Wohltäters spricht der Patriarch in biblischen Gleichnissen über das Glück und die Demut des Dienens und über das Tröstliche der Religion. Alkoholselig gewährt er den Sklaven in quasi grosszügiger Geste einen arbeitsfreien Karfreitag, ohne aber die Aufseher davon in Kenntnis zu setzen …
Das groteske Abendmahl inszeniert Alea wie ein spanisches Gemälde des 18. Jahrhunderts und setzt dazu das tropische Licht der Aussenaufnahmen in einen deutlichen Kontrast. Schonungslos zeigt er die Verhältnisse zwischen dem allmächtigen Grafen, den Sklavenaufsehern, dem Zuckerverarbeitungsmeister bis hin zum Kaplan und den unterdrückten Sklaven auf. Und mit bitterböser Ironie attackiert Alea die Vereinnahmung der Religion durch eine herrschende Klasse und ruft auf, dass man sich in Ausnahmesituationen mit Gewalt gegen sie auflehnen muss.
Do 15. 9. – Sa 17. 9. > 17.15 Uhr





La muerte de un burócrata
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1966; 85' SP/df

Paco, Bildhauer vaterländischer José-Martí-Büsten ist auf unglückliche Weise ums Leben gekommen. Als Held der sozialistischen Kunst wird er feierlich begraben. Dummerweise legt man ihm sein Arbeitsbuch in den Sarg, das seine verwitwete Frau nun zwingend benötigt; denn ohne Arbeitsbuch keine Feststellung des Ablebens und ohne Todesbeglaubigung keine Pension, ohne lebenden Inhaber jedoch auch keine Ausstellung eines Duplikats. Und da der Direktor der Friedhofsverwaltung dem Neffen die Bewilligung zur Exhumierung der Leiche verweigert entscheidet sich die Familie für eine nächtliche Selbsthilfeaktion. Allerdings löst diese eine Reihe weiterer Komplikationen aus …
Aleas irrwitzige Satire auf die Bürokratie und bitterböse Farce, die auf einer Zeitungsnotiz basiert, ist gespickt mit Filmzitaten und Parodien von Hollywood-Komödien: Angsträumen à la Louis Buñuels Un chien Andalou oder Fassadenklettereien im Stil Harold Lloyds Safety Last. In seiner schwarzhumorigen Kritik, in der statt mit Torten mit Grabkränzen geschmissen wird, richtet sich Alea nicht etwa gegen die Errungenschaften der Revolution, sondern nimmt mit dem Mittel der Überzeichnung eine Kampf-Ansage Fidel Castros auf. Dieser hat die Bevölkerung aufgerufen, sich gegen Vorschriften des alten Batista-Regimes zu wehren, die sich in der Verwaltung auch in Zeiten der sozialistischen Revolution hartnäckig halten: Bürokratie ist eine Bremse revolutionärer Aktion!
Do 15. 9. – So 18. 9. > 19.30 Uhr



Cartas del parque
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1989; 87' SP/d

Wir befinden uns in Kuba, genauer in Matanzas, im Jahre 1913, in einer Zeit als man sich seine Liebe noch über Briefe offenbarte: Juan und María haben sich verliebt. Und sie lassen dem Verehrten durch denselben Liebesbriefschreiber Pedro Zeugnisse ihrer Gefühle zukommen. Pedros poetische Briefe zeigen Wirkung. Doch sein anfängliches Spiel mit den Empfindungen der Liebenden entgleitet ihm zunehmend, als er sich mit eigenen Emotionen darin verstrickt.
Tomás Gutiérrez Alea: «Jetzt, mit einigen Jahren auf dem Rücken, ergriff ich die Gelegenheit, mich mit einer solchen Geschichte zu vergnügen: Ich lebte mein Leben in vollen Zügen. Und das lässt mich vielleicht aus sicherer Distanz heraus, dieses Universum aus Blumen, Bilderbuch-Postkarten, verwundeten Herzen und launischen Engeln, deren Pfeile nicht immer das Ziel treffen, geniessen und besser verstehen. Es ist ein faszinierendes Universum, das durch die Poesie geschaffen wird als gemeinsamer Nenner der Erfindungen unseres Jahrhunderts und der grössten Entdeckung aller Zeiten: der Liebe.» Aleas leichtfüssiges Liebestriangel basiert auf einer Episode aus dem Roman «Die Liebe in Zeiten der Cholera», dessen Autor Gabriel García Márquez Alea bei seinem Studium in Rom kennen gelernt hatte.
So 18. 9. – Mi 21. 9. > 17.30 Uhr



Comandante
Oliver Stone, USA 2003; 99' Sp/d

Das Porträt des kubanischen Präsidenten Fidel Castro von Oliver Stone entstand im Februar 2002 innerhalb von drei Tagen. Gefilmt aus der Sicht von zwei Handkameras, sehen wir Fidel Castro in seinem Büro, bei öffentlichen Auftritten wie beim Besuch einer Universität oder im privaten Rahmen. In einem Ansturm von Bildern gibt der Dokumentarfilm einen Einblick in das Leben des faszinierenden Menschen Castro, der witzig und blitzgescheit auf die eingeworfenen Fragen des amerikanischen Regisseurs reagiert und Auskunft gibt über seine Beziehung zu Che Guevara, zu seinem Aufstieg zum Staatspräsidenten, zum Verhältnis zur USA, zur Kubakrise und seinen hochgehaltenen Werten.
Do 22. 9. – So 25. 9. > 16.45 Uhr
Mo 26. 9. – Mi 28. 9. > 17.00 Uhr



Los sobrevivientes
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1979; 130' SP/df

Draussen wütet die Revolution. Die Familie Orozco verharrt auf ihrem grossen Anwesen, während sich ein reicher Onkel bereits in die USA abgesetzt hat. Überzeugt, das Gewitter ziehe bald vorüber, decken sich die Herren noch schnell mit ein paar Lastwagenladungen Champagner und Kaviar ein und feiern weiter ihre dekadent seligen Feste. Als ein Bediensteter mit dem schicken Auto abhaut, das zuvor in Bargeld abgehobene Vermögen nach einem Erlass Fidel Castros wertlos ist und sich auch der Priester davonmacht, schottet sich die Familie zusammen mit den Bediensteten noch stärker hinter dem alterwürdigen Gemäuer ab. Das Leben nimmt mit Heirat, Geburt und Tod nochmals seinen gewohnten Lauf. Doch mit der Arbeitsverweigerung der zusehends als Sklaven gehaltenen Bediensteten spitzt sich die Lage so weit zu, dass die Oberen selbst Hand anlegen müssen.
Mit rabenschwarzem Humor und sichtlich inspiriert durch das Kino von Luis Buñuel – wie etwa dessen Le charme discret de la bourgeoisie – beobachtet Alea den Wertezerfall der bourgeoisen Familie vor dem Hintergrund der kubanischen Revolution. Der einsetzende Prozess, der mit dem Verlust unverrückbar geglaubter Privilegien einhergeht, nimmt bei den verschiedenen Mitgliedern je eigene absurd komische Formen an. Genau dieser «Zusammenprall des Tragischen und Komischen» hat Alea in seinem selten gezeigten Werk interessiert.
Do 22. 9. – So 25. 9. > 18.45 Uhr



Premiere Lisanka
Daniel Díaz Torres, Kuba 2010; 110' SP/e

Die Kubakrise im Oktober 1962 führte der Welt das Schreckenszenario eines atomaren Schlagabtausches vor Augen. Weit weg von solchen globalen Ängsten bestimmte die Stationierung der sowjetischen Langstreckenraketen auf ihre Art auch die Geschicke des kleinen kubanischen Dörfchens Veredes del Guayabal ganz in der Nähe des sowjetischen Stützpunktes. In diesem friedlichen fiktiven Dorf wird die junge Traktorfahrerin Lisanka von liebeshungrigen Männern bewundert und gleichsam mit allen Mitteln umworben. So liefert sich der bourgeoise Aurelio, der in der Stadt gegen Batista gekämpft hat, ideologische Hahnenkämpfe mit dem revolutionären Guerillero Sergio. Dummerweise erhält nun Lisanka, die sich vor allem ihre Unabhängigkeit bewahren will, mit dem Auftauchen des sowjetischen Soldaten Volodia einen weiteren Kandidaten.
Entstand Gutiérrez Aleas Memorias del subdesarrollo im Moment der Entstehung einer neuen Gesellschaft, blickt Daniel Díaz Torres fünfzig Jahre danach nochmals zurück in diese «heroische und irgendwie naive» Zeit (Daniel Díaz Torres). Dabei interessiert er sich in seiner visuell am sozialistischen Realismus der Fünfziger- und Sechzigerjahre inspirierten Tragikomödie weniger für historische Wahrheit. Viel mehr erfindet Torres diesen Aufbruch in eine neue Ära mit surrealer Fantasie und macht sich dabei über alles lustig: über die KubanerInnen, die RevolutionärInnen und KonterrevolutionärInnen, über die Kirche und die KommunistInnen.
Mo 26. 9. – Mi 28. 9. > 19.00 Uhr



Hasta cierto punto
Tomás Gutiérrez Alea, Kuba 1983; 68' SP/d

Óscar, ein Schriftsteller, schreibt an einem Drehbuch für einen Spielfilm, der das Thema des kubanischen Machismo behandeln soll. Zusammen mit dem Regisseur recherchiert er im Hafenviertel von Havanna, wo der Männlichkeitswahn angeblich am stärksten verbreitet ist. Sie befragen mit ihrer Videokamera Leute und lernen die Verladearbeiterin Lina kennen. Schnell sehen sie in der eigenständigen Frau das perfekte Vorbild für die weibliche Hauptfigur. Allerdings führen Óscars leidenschaftlichen Gefühle für Lina zu Konflikten mit seiner Ehefrau, welche im Film die Hauptrolle übernehmen soll …
Alea spürt in seiner Liebesgeschichte zwischen einem Intellektuellen und einer Arbeiterin verschiedenste Facetten des Machismo auf. Ausgangspunkt seines Films-im-Film war ein bretonisches Lied, das zwischen Karibikklängen auch immer wieder einsetzt: «Wenn ich wollte, würde ich dir die Flügel abschneiden, dann wärst du mein, aber so könntest du nicht fliegen und gerade als Vogel liebe ich dich». «… in diesen vier oder fünf Versen ist der Widerspruch einer Liebessituation aufgezeigt: der Besitzanspruch einer Person durch die andere und gleichzeitig die Notwendigkeit, dass jeder seine Identität bewahrt …» (Gutiérrez Alea)
Do 29. 9. – So 2. 10. > 17.30 Uhr



Fresa y chocolate
Tomás Gutiérrez Alea / Juan Carlos Tabío, Kuba/Mexiko/Spanien 1994; 108' SP/df

David verliert nach einer lang ersehnten ersten, aber leider missglückten Liebesnacht seine Freundin Vivian an eine bessere Partie. Auch die Begegnung mit Diego, der sich in Havannas bekanntestem Eiscafé Erdbeereis essend outet und sich über die Lage Kubas mokiert, versetzt ihn nicht gerade in Hochstimmung. Der naiv linientreue Jungkommunist David lässt sich vorerst nur auf die Avancen des schwulen Literaten und Müssiggängers ein, um den potenziellen Klassenfeind zu bespitzeln. Doch allmählich kommen sich die beiden näher. Diego öffnet dem Politikstudenten, der eigentlich gerne schreiben würde, die Augen für eine ihm unbekannte Welt, spielt ihm die Callas vor oder Ingnacio Cervantes «Adio Cuba», versorgt ihn mit verbotener Literatur und stellt ihm die sensible Nachbarin Nancy vor …, bis David auch seinen Liebeskummer überwindet.
Aleas einnehmendes Plädoyer für Toleranz und Freundschaft nach der Erzählung «Der Wolf, der Wald und der Neue Mensch» von Senel Paz spielt in den Achtzigerjahren, als Homosexualität in Kuba noch verfolgt wurde. Der riesige heimische und internationale Erfolg des Films gründet «in seinem Humor und in seinem Widerspruchsgeist, die er aus der Ambivalenz seiner Charaktere bezieht» (Heike Kühn, «Frankfurter Rundschau») – in der alltäglichen Nähe von Lachen und Weinen.
Do 29. 9. – So 2. 10. > 19.00 Uhr
Mo 3. 10. – Mi 5. 10. > 16.45 Uhr



Premiere El cuerno de la abundancia
Juan Carlos Tabío, Kuba/Spanien 2008; 108' SP/e

Mathilda und der Ich-Erzähler Bernardito haben es nicht leicht – immer im dümmsten Moment trampelt seine Mutter in die eheliche Wohnung. Doch schon bald erschüttern weitere Ereignisse ihr Eheleben und die Geschicke des kleinen kubanischen Dorfes Yaraügey. Die Familien des Geschlechtes Castiñeiras, - oder vielmehr diejenigen, welche Castiñeyras geschrieben werden? – sind Erben eines immensen Vermögens. So deponierten Mönche im 18. Jahrhundert auf einer englischen Bank eine riesige Geldsumme, die mit Zinseszinsen auf einen mehrstelligen Millionenbetrag angewachsen ist. Alle, die sich berechtigt glauben, sind aufgefordert, sich bei einem nationalen Komitee rechtzeitig zu melden. In der allgemeinen Aufregung sieht auch Zobeida ihre Chance, die schon in der Schule in Bernardito verliebt war.
Vor allem in den Neunzigerjahren führten Gerüchte von riesigen Erbschaften aus dem Ausland auf Kuba zu falschen Hoffnungen und teils absurden Reaktionen, die Juan Carlos Tabío zu seiner witzigen Komödie inspirierten. Beleuchtete er in Lista Espera im Mikrokosmos einer Busstation die positiven Seiten von Menschen, nimmt er in seinem jüngsten Werk eine Dorfgemeinschaft und den Hang zu Egoismus, Gier und Eifersucht unter die Lupe.
Mo 3. 10. – Mi 5. 10. > 19.00 Uhr





Cine Latino – Junges Kino aus Südamerika, Filme


El Secreto de sus Ojos
Juan José Campanella, Argentinien 2009; 124' Sp/d

Buenos Aires: Benjamin Espósito könnte sich über die Zeit und Ruhe freuen, die ihm die Pensionierung bringt. Doch seit 25 Jahren verfolgt den Rechtsanwalt ein seiner Meinung nach ungelöster Fall: 1974 wurde die junge Frau des Bankangestellten Ricardo Morales brutal ermordet, und in einem zwielichtigen Gerichtsverfahren wurden zwei Bauarbeiter dafür verurteilt. Benjamin ruft sich jene Zeit voller geheimer politischer Machenschaften und die unerfüllte Liebe zur attraktiven Abteilungsleiterin Irene nochmals in Erinnerung. Wild entschlossen, das letzte Geheimnis zu lüften und ein Buch zu schreiben, begibt er sich auf die Suche nach dem Mörder von damals.
Der Oskar-prämierte El secreto de sus ojos war zweifelsfrei einer der besten (südamerikanischen) Filme der letzten Jahre. Meisterhaft verwebt der argentinische Regisseur die verschiedenen Zeitebenen wie Erinnerungen, Vorstellungen, wie es möglicherweise gewesen ist, und die Gegenwart. Und dies in einer Mischung aus Thriller, Liebesgeschichte und einer kleinen Philosophie über Wahrheit und Glück – «spannend, herzzerreissend und durchzogen von tiefer Melancholie» (Martin Schwickert, «Tagesspiegel») sowie mit dem grandiosen Ricardo Darín und dem Comedy-Star Guillermo Francella in den tragikomischen Büroszenen.
Do 1. 9. > 21.15 Uhr
So 4. 9. / So 11. 9. > 14.30 Uhr
So 25. 9. > 14.15 Uhr



Contracorriente
Javier Fuentes-León, Peru/Kolumbien/Frankreich/Deutschland 2009; 100' SP/e

Cabo Blanco, ein kleines Fischerdorf an der Nordküste Perus: Miguel ist mit der schwangeren Mariela verheiratet. Allerdings lebt der allseits beliebte Fischer heimlich eine heftige Liebe mit dem Kunstmaler Santiago aus, der in einer Strandhütte an seinen Bildern arbeitet. Die traditionell religiös verwurzelte Dorfgemeinschaft beäugt das Schaffen des Aussenseiters argwöhnisch. Als sich das Meer Santiago holt und ihn nicht mehr loslässt, bevor er nicht nach einem alten Ritual in den Tod begleitet worden ist, muss sich Miguel für seine Liebe entscheiden.
Der eingehende Liebesfilm erhielt unzählige Preise auf Festivals weltweit – darunter die Publikumspreise am renommierten Sundance 2010 als auch am diesjährigen Pink Apple – und war ausserdem für Peru als bester ausländischer Film bei den Oscars nominiert. Dem peruanischen Regisseur Javier Fuentes-León gelingt in seinem Erstling die Magie einer fesselnden Begegnung zwischen Miguel und Santiago als Erscheinung sowie der wahrhaftigen Weiterentwicklung sowohl der hadernden Hauptfigur als auch der vorerst engstirnigen Dorfbevölkerung. Fuentes-León war erfolgreicher Mediziner, bevor er in Los Angeles ein Filmstudium absolvierte. Sein beherztes Plädoyer für die Toleranz wird mitgetragen von der imposanten Naturkulisse und dem natürlichen Schauspiel der Hauptdarsteller aus Bolivien, Kolumbien und Peru.
Fr 2. 9. – So 4. 9. > 21.15 Uhr



Turistas
Alicia Scherson, Chile 2009; 105' Sp/d

Carla ist 37 Jahre alt, verheiratet, vielleicht schwanger, und eigentlich sollte sie glücklich sein, als sie mit ihrem Mann und einem Wasserscooter von Santiago aus Richtung Süden in die Sommerferien aufbricht. Die beiden plaudern, etwas leidenschaftslos, wie es ältere Paar wohl eben manchmal tun. Aus einer Verstimmung heraus lässt Carla Joel ihren Mann samt Gepäck am Wegrand sitzen, als sie pinkeln muss. Aber vielleicht möchte die Biologin Carla ja eh gar nicht da sein, wo sie noch wenige Minuten vorher war. Vielleicht möchte sie lieber mit dem vermeintlich norwegischen Rucksacktouristen Ulrik zum Nationalpark Siete Tazas losziehen, wo sie zwischen grossen Bäumen wandeln, im Zelt übernachten und sich mit dem Parkaufseher über Vögel und anderes Getier unterhalten könnte. Vielleicht wäre das wirklich besser, und seis nur deshalb, weil etwas frische Luft manchmal einfach gut tut.
Alicia Scherson, ursprünglich Biologin, erzählt in ihrem Erstling unprätentiös frisch und witzig von der Auszeit einer Mittdreissigerin. Sie lässt ihre mit sich hadernde Hauptfigur auf dem Nationalpark-Campingplatz schrägen Typen begegnen wie etwa den beiden jungen Susanas, die den kleinen Laden führen, oder dem Parkaufseher Orlando, der mal für einen Sommerhit als Sänger bekannt war. Und sie schafft dank ihrer Erforschungen der krabbelnden Wunder der Natur und dank der lakonischen Dialogen ein Kleinod.
Mo 5. 9. – Mi 7. 9. > 21.15 Uhr



Cinco Dias sin Nora
Mariana Chenillo, Mexiko 2008; 92' SP/df

Nora und José waren einmal ein verliebtes Paar. Nun sind sie ins Alter gekommen. Seit zwanzig Jahren leben die beiden getrennt in zwei gegenüberliegenden Wohnungen an derselben Strasse einer mexikanischen Stadt. Nora plant ihren Tod und will dabei ihren Exmann José noch einmal tüchtig beschäftigen. Es ist Noras letzter Wille, dass José sich um ihr Begräbnis kümmern soll, das sich, wegen eines religiösen Feiertags und ihres Freitods, als recht schwierig erweist. Zudem findet José ein mysteriöses Foto unter Noras Bett. Es erinnert ihn und uns daran, wie die grössten Liebesgeschichten oft an den kleinsten Orten verborgen schlummern.
In ihrem ebenso komischen wie sanften Spielfilmerstling erzählt die 1977 geborene Mariana Chenillo traumwandlerisch leicht eine Geschichte über so gewichtige Momente im Leben wie den Tod, die Ehe, den Glauben und die Liebe. Der Film ist von feinstem Humor – eine echte Entdeckung.
Do 8. 9. / So 11. 9. > 21.15 Uhr



PREMIERE El infierno
Luis Estrada, Mexiko 2010; 145' Sp/e

Nach zwanzig Jahren illegalen Aufenthalts wird Benny García aus den USA ausgewiesen und in sein Heimatland Mexiko zurückgeschickt. Doch die staubige Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, wirkt wie ausgestorben. Tatsächlich hängen in allen Häusern Gedenkfotos an frühzeitig umgekommene Söhne und Väter. So hat auch sein geliebter Bruder, der sich als El Diablo einen berüchtigten Namen gemacht hat, bereits das Zeitliche gesegnet und eine wunderschöne Frau und einen Sohn hinterlassen. Benny springt in die Lücke und arbeitet rechtschaffen in der Garage seines Vaters, bis sein ehemaliger Freund El Cochiloco aufkreuzt und ihn El Rey, dem Boss des herrschenden Drogenkartells, vorstellt. Schicke Kleider und schnelle Wagen lassen ihn seine anfänglichen moralischen Bedenken und Hemmungen bald über Bord werfen.
Mit bitterbösem Humor und absurder Ironie seziert der Genrefilm als groteske Variante von City of God und in einer Mischung aus Tarantino und Coen eine egoistische Gesellschaft, in der Korruption, Gewalt und Gier vorherrschen. Luis Estrada zeichnet mit dem Aufstieg seiner vorerst naiv schüchternen Hauptfigur ein zugespitztes Bild Mexikos – ironischerweise wurde der Film mit Geld zum hundertjährigen Bestehen des Landes mitfinanziert. Wegen seines satirischen Tons und seiner Brutalität gleichsam geliebt und kritisiert, war El infierno in Mexiko der grösste Publikumshit und Kritikererfolg der letzten Jahre.
Fr 9. 9. / Sa 10. 9. > 21.15 Uhr



PREMIERE Todos tus muertos
Diego Ramírez, Kolumbien 2011; 90' SP/e

Sonntag irgendwo auf dem Lande in Kolumbien: Salvador, ein einfacher Bauer, steht wie gewohnt frühmorgens auf und macht sich auf seinem kleinen Hof, den er mit Frau und Kind bewirtschaftet, an die Feldarbeit. An diesem Morgen wird er jäh aus seiner Routine gerissen, als er inmitten eines Kornfeldes einen Haufen toter Körper findet. Entsetzt und angsterfüllt rennt er ins Dorf, um die zuständigen Behörden über das erfolgte Massaker zu informieren. Doch der Bürgermeister und der Polizeichef haben wenig Lust, sich mit den Toten zu befassen: Es finden gerade Wahlen statt, und die beiden befürchten einen nationalen Skandal.
Von der ersten Minute an ist eine in der Luft liegende Bedrohung spürbar, welche durch die Untätigkeit der Zuständigen noch verstärkt wird. Diego Ramírez, von dem wir in unserem letztjährigen Kolumbien-Fokus Perro come perro gezeigt haben, erweist sich erneut als genauer Beobachter alltäglicher Lebenswelten und als Meister der Spannung. Und es gelingt ihm mit seinem zweiten Spielfilm eine beunruhigende Satire über die gegenwärtige Situation in Teilen Kolumbiens, die weiterhin unter einem zermürbenden Kleinkrieg leiden. Eine Allegorie, die auf alle Länder zutrifft, in denen Armut, Gewalt, Gesetzlosigkeit und die Macht der Politik Hand in Hand gehen. Fesselnd und eindrücklich.
Mo 12. 9. – Mi 14. 9. > 21.15 Uhr



PREMIERE El invierno de los raros
Rodrigo Guerrero, Argentinien 2011; 110' SP/e

Eine junge Frau kommt eines Tages in eine kleine Stadt in der argentinischen Provinz Córdoba. Wir wissen nicht, woher sie kommt und was sie hier sucht, aber mit ihr beobachten wir, wie sich in den folgenden drei Tagen die routinebestimmten Leben von sechs Menschen unmerklich in eine neue Richtung entwickeln. Gustavo, Fabian, Tet, Sabrina, Marcia und Rocio hadern mit ihrer Vergangenheit, sind in Familienstreitigkeiten verwickelt und leben Liebesaffären aus.
Der junge argentinische Regisseur Rodrigo Guerrero hat an der Universidad Nacional de Córdoba Film studiert. Zu seinen argentinischen Vorbildern zählt er beispielsweise Lucrecia Martel, Santiago Loza oder Daniel Burmann. Mit der Veränderung der sechs Leben verschieben sich die Farbtöne in Guerreros Ensemblefilm: von metallischem Blau zu braunfarbenen Bildern. Es gelingt ihm, die Stimmungen seiner Protagonisten in ihrer Beziehung zu anderen und zur Geografie der Kleinstadt einzufangen.
Do 15. 9. / Fr 16. 9. > 21.15 Uhr



PREMIERE La vida de los peces
Matías Bize, Chile/Frankreich 2010; 84' SP/e

Eigentlich hat sich Andrés gerade von seinen engsten alten Freunden verabschiedet. Doch der dreissigjährige Chilene, der heute von Berlin aus sein Leben als Reisejournalist verdient und sich in seiner Heimat nur auf der Durchreise befindet, bleibt auf der Geburtstagsparty von Pablo hängen. Er lässt sich durch die vielen Zimmer der Villa von Pablos Mutter treiben und trifft immer wieder neue alte Bekannte. Sie sind älter geworden, haben sich im Leben eingerichtet, Karriere gemacht oder gerade eine Familie gegründet. Und da ist auch Beatriz, seine grosse Liebe, der er aus dem Weg geht, und wird dennoch von ihr angezogen, bis sich die beiden vor dem Aquarium erneut sachte näher kommen …
Wunderbar melancholisch, heiter und klug erzählt der 1979 geborene chilenische Regisseur von Begegnungen, Gesten, Blicken und mit verdichteten Dialogen von der Flüchtigkeit des Daseins, von Freundschaften, von verpassten Chancen und von den Erwartungen an die noch bevorstehende Lebenszeit. «Wohl etwas vom Feinsten aus dem aktuellen chilenischen Filmschaffen.» (Claudia Lorenz, Filmemacherin)
Sa 17. 9. / So 18. 9. > 21.15 Uhr



Nostalgia de la luz
Patricio Guzmán, Chile 2010; 90’ SP/df

In seinem dokumentarischen Essayfilm geht der Chilene Patricio Guzmán von einem zweifachen Blick in die Vergangenheit aus: Zum einen sind da die Astronomen, die in der Atacama-Wüste in den Himmel blicken und den Ursprung des Universums erkunden, zum anderen die Frauen, die im Wüstensand um die Observatorien herum nach sterblichen Überresten ihrer Liebsten suchen, die Opfer der Militärdiktatur geworden sind. Eine Reise ins Licht.
Patricio Guzmán gehört zu den Schlüsselfiguren des lateinamerikanischen Kinos, und zwar, obwohl das Terrorregime Chiles den Filmemacher in den 1970er-Jahren zum Gang ins Exil gezwungen hatte. Immer wieder hat er auf das Unrecht aufmerksam gemacht, das in seiner Heimat herrschte. In Nostalgia de la luz löst er sich zunächst von der chilenischen Geschichte und erzählt uns von Menschen, die in der Atacama-Wüste im Norden seiner Heimat nach den Sternen gucken. Und wer nachts in den Himmel schaut, der schaut in die Vergangenheit. Alles Licht, was uns da erreicht, ist Vergangenheit, hat einen oft Jahrtausende langen Weg zurückgelegt. Guzmán lädt uns ein zum Hineindenken ins Universum, und er stellt uns ein paar Frauen vor, die um die Teleskope in der Wüste herum zwanzig Jahre lang im ebenfalls unendlich scheinenden Sand gegraben haben, auf der Suche nach der Vergangenheit, nach Überresten ihrer Liebsten, die die Diktatur umgebracht hat und verschwinden liess. Was für ein mickriges Geschöpf ist er doch, der Mensch im Universum, und wie viel Schmerz kann er verbreiten. Dieser Essay ist eine Einladung in andere Dimensionen.? Walter Ruggle
So 18. 9. / So 2. 10. > 14.30 Uhr



Sin nombre
Cary Fukunaga, Mexiko/USA 2009; 96' SP/df

Tapachula, Bundesstaat Chiapas in Mexiko: Die gefürchtete Bande der Mara Salvatrucha mit ihren coolen tätowierten Männern bildet für den sechzehnjährigen Willy «El Caspar» eine Ersatzfamilie. Schon als Junge hat er das brutale Aufnahmeritual bestanden und vertritt seither als einer von ihnen deren unerbittlichen Gesetze, bis der lokale Anführer seine Freundin vergewaltigen will. Währendessen reist die junge Sayra zusammen mit ihrem Vater und ihrem Onkel in der Hoffnung auf ein besseres Leben in New Jersey von Honduras über Guatemala nordwärts. Auf dem Dach eines Zuges der die Flüchtlinge zur US-amerikanischen Grenze bringen soll, begegnen sich Willy und Sayra.
Der junge Regisseur Cary Fukunaga (Sohn eines Japaners und einer Schwedin) führt uns das Schicksal seiner kleinen Helden packend vor Augen: mit atemraubenden Bildern vorbeiziehender Landschaften, in einer Mischung aus Autoren- und Genrekino, aus genauer Beobachtung von Flüchtlingsrealitäten und Mara-Alltag sowie zugespitzter Emotionalisierung. Produziert von den mexikanischen Superstars Gaël García Bernal und Diego Luna, gelingt dem melodramatischen Roadmovie «eine poetische Meditation über die Massen der Namenlosen, die vor den Toren einer Welt stehen» (Bert Rebhandl, «Die Zeit»).
Mo 19. 9. – Mi 21. 9. > 21.15 Uhr



Premiere La nana
Sebastián Silva, Chile/Mexiko 2009; 95' SP/d

Santiago de Chile: Seit 23 Jahren ist Raquel das Hausmädchen der Familie Valdez. Dennoch berühren sie die Geschenke und der Geburtstagskuchen auf ihren 41. Geburtstag eher peinlich. Obwohl ihr ganzes Leben sich auf ihr Dachzimmer mit Fernseher, ihren Essplatz am Küchentisch und die Arbeit mit Haushalt und der Versorgung der «fremden» Kinder konzentriert, bleibt sie eine Aussenstehende. Und so wie ihre Migräneattacken zunehmen, so spitzen sich die Kämpfe mit der pubertären Camila, der ältesten Tochter der Hausherren, zu. Zur Entlastung werden zusätzliche Hausmädchen angestellt, welche die sture Raquel zwecks Verteidigung ihres Reiches jedoch schnell wieder vertreibt. Bis sie zusammenbricht und Lucy auftaucht …
Sebastián Silva genügt der Mikrokosmos einer Familie mit einer Villa und einer Hausangestellten für einen inspirierenden, witzig-traurigen Film, der in Sundance mit dem Grossen Jurypreis ausgezeichnet wurde. Voll schwarzem Humor zeichnet er das Porträt einer Frau, die erst mit dem Auftauchen einer weiteren vermeintlichen Konkurrentin das Leben ausserhalb ihrer vier Wände entdeckt. «… ein brillanter psychologischer Entwicklungsfilm, eine Geschichte aus einer ebenso archaischen wie hochmodernen Welt, bei der man dauernd auf einen Mord, einen Unfall oder irgendeine psychotische Aktion wartet und am Ende froh ist, dass nichts davon eintritt.» (Wolfgang Hamdorf, «Filmdienst»)
Fr 23. 9. – So 25. 9. > 21.15 Uhr



Premiere Rabia
Sebastián Cordero, Mexiko/Spanien/Kolumbien 2009; 89' SP/df

Der illegal eingewanderte Bauarbeiter José María und das kolumbianische Hausmädchen Rosa lieben sich. Doch José gefährdet mit seiner Eifersucht und seinem Temperament schon bald ihre zarte Liebe und muss nach einem unglücklichen Zwischenfall vor der Polizei flüchten. Den einzig sicheren Unterschlupf sieht er in der barocken Villa der Familie, für die Rosa arbeitet. Ohne sie zu informieren, verkriecht er sich in den Estrich und beobachtet heimlich, wie der Bauch der schwangeren Rosa immer dicker wird und wie die Herrschaft ihre Bedienstete gängelt.
Der in Ecuador geborene Sebastián Cordero versetzt die Geschichte des gleichnamigen Erfolgsromans des argentinischen Schriftstellers Sergio Bizzio nach Spanien und erzählt in seinem romantischen Thriller eine düstere Immigrantengeschichte. Obwohl sich die beiden Hauptfiguren ganz nah wären, ist José in seinem Versteck zunehmend isoliert. Die kongenialen Bilder für seine Desorientierung und Angst, Rosa zu verlieren, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Kameramann Enrique Chediak (127 hours, Turistas). Ob die beiden Liebenden aus dieser aussichtslos erscheinenden klaustrophoben Situation noch herauskommen? Und wer trägt die Hauptschuld für ihr Unglück?
Mo 26. 9. – Mi 28. 9. > 21.15 Uhr



PREMIERE Post Mortem
Pablo Larraín, Chile 2010; 98' SP/e

Santiago, September 1973: Mario arbeitet als Sekretär in einem grossen Spital und ist dort zuständig für das Abfassen von Autopsie-Berichten, was er äusserst gewissenhaft ausführt. Die einzige Leidenschaft in seinem Leben scheint Nancy zu sein, die im Nachbarshaus wohnt. Aber mit dem Militärputsch am 11. September 1973 durch General Augusto Pinochet verschwindet die Cabaret-Tänzerin und Tochter eines Allende-Anhängers plötzlich auf mysteriöse Weise. Mario macht sich auf die Suche nach der heimlich verehrten Nancy. Im Spital muss er derweil den Autopsiebericht für die eingelieferte Leiche von Salvador Allende erstellen.
Der 1976 geborene Pablo Larraín, der bereits mit seinem vieldiskutierten Film Tony Manero (2008) auf sich aufmerksam gemacht hat, kam nach dem Militärputsch auf die Welt. Mit der Befragung von Zeitzeugen machte er sich ein Bild von dieser bewegten Zeit. Doch in seinem Film interessierte ihn jedoch weniger eine «Rekonstruktion» der Vergangenheit als der subjektive Blick eines kleinen Mannes auf das eigene Leben, das durch die schwerwiegenden Vorgänge im Land beeinträchtigt wird. Der lakonische Humor, die komponierten Tableaus sowie die von einer existenziellen Hilflosigkeit geprägten Figuren erinnern an die Filme des Schweden Roy Andersson.
Fr 30. 9. – So 2. 10. > 21.15 Uhr



Unmade beds
Alexis Dos Santos, UK 2009; 93' E/d

Drei junge Menschen lassen sich im Osten Londons durch die Tage und Nächte treiben. Alle drei sind sie auf der Suche nach irgendetwas Bestimmtem. Axl sucht seinen Vater, an den er sich kaum erinnern kann und von dem er glaubt, er sei Grundstückmakler. Die Belgierin Vera hängt ihrer letzten Liebe nach, jobbt in einem Buchladen und hält die melancholischsten Orte Londons auf Polaroid fest. Mike träumt vom Fliegen. Eine Matratze wird rumgetragen. Axl und Vera finden Unterschlupf in einem alten Warhouse, in dem sie mit anderen Driftern und Künstlern ausgelassene Partys feiern.
Schon in seinem lichten Erstling Glue, der in der Weite Patagoniens spielt, erzählt der argentinische Filmemacher Alexis Dos Santos von Rausch, Liebe, Lust und Selbstfindung. Dabei interessieren ihn weniger Psychologisierungen und soziale Fragen als die Stimmungen und Lebensgefühle einer jungen Generation zwischen Leichtigkeit und Melancholie. Seine Filme zeichnen sich durch ihre flüchtige Erzählweise, einen hypnotisierenden Rhythmus der Bilder von unterschiedlicher Beschaffenheit aus, erinnern an die französische Nouvelle Vague oder die frühen Filme Wong Kar-wais. Hinzu kommt in Unmade Beds ein verführerischer Soundtrack mit Songs von Mary & the Boy, Kimya Dawson und Daniel Johnston.



Machete
Ethan Maniqui / Robert Rodriguez, USA 2010; 105’ SP•E/df

Der unkorrumpierbare mexikanische Bundespolizist Machete (Danny Trejo) muss aus seinem Heimatland fliehen, nachdem er in einen blutigen Konflikt mit dem Drogenbaron Torrez geraten ist. In den USA schlägt er sich mehr schlecht als recht als Taglöhner durch, bis ihn der zwielichtige Geschäftsmann Michel Booth anstellt, um für US$ 150 000.– den reaktionären US-Senator McLaughlin (Robert de Niro) umzubringen. Doch das Ganze ist ein Komplott, mit dem die Stimmungsmache gegen illegale Einwanderer weiter angeheizt werden soll. In seinem Rachefeldzug und Kampf gegen das Unrecht findet Machete in der Taco-Verkäuferin Luz und ihrem Netzwerk illegaler Einwanderer sowie in der Agentin der Einwanderungsbehörde Sartana Rivera Unterstützung.
Einmal mehr erweist Robert Rodriguez seinen B-Movie-, Splatterfilm- und Italowestern-Vorbildern Reverenz und reichert die Genre-Bestandteile mit durchschlagender Ironie und Witz an. Gleichzeitig wendet er sich mit Vehemenz gegen die in den USA weitverbreitete Anti-Einwanderungs-Haltung, zeigt die mexikanischen Immigranten als ausgebeutete Menschen, die ständig rassistischen Anwürfen ausgesetzt sind. In dieser intelligenten Mischung aus Groteske und cooler testosterongeladener Gesellschaftskritik mit dem Superhelden Machete, der Danny Tejo auf den Leib geschrieben ist, macht der brachiale Film einfach Spass.
Fr 2. 9. / Sa 3. 9. > 23.15 Uhr



El mariachi
Robert Rodriguez, Mexiko/USA 1992; 81’ SP•E/df

El Mariachi wandert mit seiner Gitarre auf der Suche nach einem nächsten Gig durch das staubige Mexiko. Dummerweise wird er für den Killer Azul gehalten, der seine MAC-10 in einem Gitarrenkoffer herumträgt und mit dieser die Männer des Drogenbosses Moco umlegt. So gerät der eigentlich harmlose Mariachi-Sänger zwischen die Fronten zweier rivalisierender Gangster und flieht in eine Bar, deren Inhaberin Domino sich in ihn verliebt.
Eine rasante, in Comic-Strip-Manier inszenierte Desperado-Geschichte, die die Klischees des Genres – etwa Machismo und Gewalt – übersteigert und ironisiert. El Mariachi verrät bereits Rodriguez grosses Gespür für Action und Timing, seine Entstehungsgeschichte ist Legende: Der damals Vierundzwanzigjährige drehte seinen ersten Langspielfilm in der mexikanischen Stadt Acuña mit einem Budget von 7000 Dollar und mit Freundinnen und Bekannten als DarstellerInnen. Die archaische, auf 16-mm-Material gedrehte Gangstergroteske überzeugt durch eine Fülle origineller Ideen. Das gilt sowohl für das Drehbuch, das zahlreiche umwerfend komische Szenen auf Lager hat, als auch für den unverkrampften Umgang mit Zeitlupe, Zeitraffer, Zooms und Verzerrungen. Dass Hollywood sofort auf den experimentierfreudigen Mexikaner aufmerksam wurde, ist deshalb nicht erstaunlich.
Fr 16. 9. > 23.30 Uhr
Sa 17. 9. > 23.00 Uhr



Desperado
Robert Rodriguez, USA 1995; 104’ SP•E/df

In der mexikanischen Kleinstadt Santa Cecilia steht ein Fremder (Steve Buscemi als Gerüchteverbreiter «Buscemi») am Tresen der verwahrlosten Tarasco-Bar und erzählt – während er ein pisswarmes Bier aus einem verschmierten Glas trinkt –, was er angeblich gerade in einem Nachbarort erlebt hat. Bevor sich der redselige Gast jovial wieder verabschiedet, warnt er den Wirt noch vor dem Mann mit dem Gitarrenkoffer. Der Mariachi taucht denn auch kurz darauf in der Bar auf, um die Ermordung seiner Geliebten zu rächen. Dabei wird er von einer schönen Buchhändlerin unterstützt und richtet schliesslich ein Blutbad von nicht unerheblichem Ausmass an.
Mit «Desperado» hat Robert Rodriguez für Columbia eine veränderte Fassung seines unabhängig produzierten Erstlings «El Mariachi» gedreht. Dessen unbekümmerte Frechheit ist einer lakonischen Ernsthaftigkeit im Stil der Italowestern gewichen. Rodriguez’ Sequel ist eine actionreiche, unterhaltsame, selbstironische und stilsicher inszenierte Groteske geworden, die nicht unwesentlich von Steve Buscemis unverwechselbarem Spiel und der Gastrolle von Quentin Tarantino getragen wird.
Fr 23. 9. / Sa 24. 9. > 23.15 Uhr



Once Upon a Time in Mexico
Robert Rodriguez, USA/Mexiko 2003; 102' SP•E/df

Nach der Ermordung seiner Geliebten hat sich El Mariachi in die Einsamkeit zurückgezogen. Aus seiner tiefen Melancholie reisst ihn jedoch der undurchschaubare CIA-Agent Sands, der potenzielle Gegner gerne mit einem künstlichen Arm zum Narren hält. Sands gewinnt den legendären Desperado mit dem Gitarrenkoffer für ein äusserst riskantes Mordkomplott, in das der mexikanische Präsident, ein Drogenbaron sowie ein korrupter General verwickelt sind. Und so schart El Mariachi seine beiden einzigen Freunde um sich und zieht in die Schlacht, an deren Ende nur die Gutherzigen noch stehen werden.
Robert Rodriguez zelebriert mit seiner überdrehten Actionkomödie mit Starbesetzung zum dritten Mal den Mariachi-Mythos und liefert zum Abschluss seiner Guitarrero-Trilogie ein schaurig grossartiges Bild, das seinesgleichen sucht: der schöne Johnny Depp als blinder Revolverheld, der blutige Tränen weint.
Fr 30. 9. / Sa 1. 10. > 23.30 Uhr


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